Ulrike Guérot

Ulrike Guérot, Jahrgang 1964, Politikwissenschaftlerin, Gründerin und Direktorin des European Democracy Labs an der European School of Governance in Berlin und seit 2016 Professorin und Leiterin des Departments für Europapolitik und Demokratieforschung an der Donau-Universität Krems/Österreich.

Der neue Bürgerkrieg. Das offene Europa und seine Feinde

"Wir müssen Europa von Grund auf erneuern." Ulrike Guérot

Europa steckt tief in der Krise. Die von den Rechtspopulisten angestrebte Rückkehr zu nationalstaatlicher Konkurrenz kann nicht die Lösung sein. Ulrike Guérot plädiert für einen radikalen Neuanfang: Dem gemeinsamen Markt und der gemeinsamen Währung muss endlich eine gemeinsame europäische Demokratie folgen. Nur so können wir das weltoffene Europa bewahren, das die Mehrheit der Europäer nach wie vor will.

Der europäische Rechtspopulismus spaltet die Nationen. Großbritannien, Österreich, die Niederlande, Polen, Ungarn oder Frankreich sind zutiefst zerrissene Gesellschaften. Anhänger und Gegner der populistischen Parteien stehen einander unversöhnlich gegenüber: Auf der einen Seite die europäischen Identitären, die Europa abschotten und seine überholte nationalstaatliche Ordnung beibehalten wollen, auf der anderen Seite eine liberale, progressive Zivilgesellschaft, die Europa dezentral, sozial und parlamentarisch organisieren möchte. Dieser historische Prozess ist notwendig und gut, so die Politikwissenschaftlerin Ulrike Guérot. Denn der „neue Bürgerkrieg“ macht den Weg frei für ein Europa, in dem die politische Positionierung wichtiger ist als die nationale Zugehörigkeit. Die Anhänger einer weltoffenen Zivilgesellschaft sind europaweit in der Mehrheit. Sie haben sich nur noch nicht zu einer politischen Bewegung verbunden. Sobald das geschieht, ist der Spuk von Renationalisierung und Populismus vorbei und der Weg frei für ein modernes, freiheitliches Europa jenseits der Nationalstaaten.

Ullstein Verlag, 2017
Erschienen als e-book, Taschenbuch